Eine Art Checkliste 

„Das steht aber alles im Lehrplan“, „Ich muss ihnen doch das Fachwissen beibringen“ – Lehrersprech von gestern, leider jeden Tag zu hören in den Lehrerzimmern. Immer noch, immer wieder. 

Wer schülernahen, auf echte Erkenntnisse statt auf stumpfes „Wissen“ abzielenden Unterricht anbieten möchte, ist mit Norbert Landwehr gut beraten, der in der pädagogischen Landschaft erstaunlicherweise nicht die Rolle spielt, die er spielen müsste, nicht die Bekanntheit erlangt hat, die ihm zustünde. Seine Leitlinien oder Empfehlungen eignen sich hervorragend dafür, während des Planungsprozesses immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen, ob man … ja: ob man auf dem richtigen Weg ist. Sie lauten:

  • Schwerpunkte setzen statt Vollständigkeit anstreben
  • Mehr moderieren als dozieren
  • Schülerlösung vor Expertenlösung
  • Erst die Alltagstheorie, dann die wissenschaftliche Theorie
  • erst die Umgangssprache, dann die Fachsprache
  • Faktenwissen in bedeutsame Zusammenhänge einbetten
  • Erst die Vielfalt, dann die ordnende Systematik

Referandarinnen und Referendaren ebenso wie jungen Lehrern nach dem Ende der Ausbildung (in der immer noch vollkommen unterschätzten, weil ungemein prägenden „dritten Phase“ der Lehrerausbildung) fehlt oft der Mut, nach Landwehr vorzugehen. Sie sind getrieben vom übervollen Lehrplan, von den Lehrbüchern, die sie in einer Art Druckbetankung schnell noch (punktuell) lesen, lesen müssen, von den vielen Fachbegriffen, die sie so früh wie möglich „verankern“ wollen – doch woran? Erst muss man die Schüler, das zeigt die Forschung seit vielen Jahren überdeutlich, relevante Probleme selbst lösen lassen, dann … siehe oben. Dann kann man sie mit den Erkenntnissen der Fachwissenschaften konfrontieren, und die Schüler werden sehen: „Das haben wir weitestgehend selbst hingekriegt, nur halt in etwas anderen Worten.“ Und das verankert sich dann viel besser. 

Wer es genauer wissen will und die „Checkliste“ expliziert haben möchte (was man nur empfehlen kann), möge Landwehr in den Fruhjahrsferien im Original lesen: Landwehr, N. (2008): Neue Wege der Wissensvermittlung, ISBN 978-3794137879. Bestellbar überall – nur bitte nicht bei dem furchtbaren Laden mit A. Und für den schnellen Leser lässt sich über Landwehr natürlich auch einiges bei DuckDuckGo finden. Dafür gibt’s ja dieses … na … Internet! 

G. Wenge 

Und noch ein Buchhinweis: 

Reichelt/Wenge: Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben

Ein Leitfaden für Studium, Referendariat und Lehrerpraxis, ISBN 978-3-8085-2144-1

 

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„Dann mache ich das nächstes Mal eben nicht so offen“

Offenheit des Unterrichts gilt inzwischen (vollkommen zu recht) als eines der zentralen Qualitätsmerkmale von Unterricht – sie ist jedoch keinesfalls mit Beliebigkeit zu verwechseln. Immer wieder hört man nach Unterrichtsbesuchen den Satz – dass der Unterricht im Rückblick wohl doch zu offen gewesen sei, dass man als Lehrer/in wohl doch mehr Vorgaben machen müsse, dass die kurze Leine der lange vorzuziehen sei. Ein gefährlicher Trugschluss. 

Die Offenheit von Unterricht legitimiert sich immer über die Lernchancen, die sie den Schülern ermöglicht. Es geht darum, das passende Anspruchsniveau zu finden: herausfordernd zu unterrichten, weder zu unter-, noch zu überfordern, „den Basketballkorb in der angemessenen Höhe aufzuhängen“. Damit das gelingt, ist natürlich eine gute Kenntnis der Lerngruppe Voraussetzung.

Den Grundgedanken „maßvoller Offenheit“ kann man an verschiedene Modelle „andocken“, auf verschiedene Ansätze zurückführen: Nimmt man Simon Sineks berühmt gewordenes „Why, how, what„, muss das WHY den Schülerinnen und Schülern bekannt sein – beim HOW und beim WHAT geht es dann aber genau um Freiheitsgrade, unterschiedliche Ergebnisse, die spätere Möglichkeit, das Zustandekommen differierender Wege und Ergebnisse später zu diskutieren und daraus zu lernen, zu generalisieren, zu abstrahieren. Nimmt man – als weiteres Beispiel – den Ansatz der Goal-based Scenarios, sieht es ganz ähnlich aus: das „Goal“ muss klar sein, sonst herrscht Willkür – die allerschlechteste Form von Offenheit, verschenkte Lernzeit.

Wenn die Aufgabe – etwas übertrieben, aber de facto sieht man das recht oft – lautet, „Beschäftigt euch mit dem Text“, dann mag das sehr offen sein, es ist aber „Murks“, weil jede Zielklarheit fehlt, weil kein Problem benannt wurde, das es zu lösen gälte, wobei auch die Problembenennung idealerweise schon aus den Schülerköpfen hervorgeht und nicht vom Lehrer vorgegeben wird. „Beschäftigt euch mit dem Text und erstellt ein Plakat“ – aber WOZU? Meist führt’s zu nicht mehr als einer stumpfen Übertragung von Fachbegriffen, Hirnleistung benötigt man dafür nicht, und mit den Schlagworten auf den Plakaten kann später eh niemand etwas anfangen.

Anders formuliert: Das Ziel muss transparent und benannt sein, der Rahmen muss klar sein – und in diesem Rahmen geht es dann um möglichst anregende Offenheit. Anders kann Lernen gar keinen Spaß machen.

G. Wenge

Weihnachtsgeschenkhinweis:
Reichelt/Wenge
Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben
Ein Leitfaden für Studium, Referendariat und Lehrerpraxis
1. Auflage 2017
Verlag Europa-Lehrmittel
ISBN 978-3-8085-2144-1

… wunderbar zu bestellen über den hochsympathischen kibula-hamburg.de, zum Beispiel. Man muss ja nicht immer beiden Online-Riesen bestellen.

„Selektiv authentisch“

Eine Unterrichtsstunde nicht nur mit der Lerngruppe, sondern zudem vor Beobachtern durchzuführen und anschließend zu reflektieren, ist immer wieder eine besondere und anspruchsvolle Situation. 

Die Gelegenheiten des gemeinsamen Erlebens von Unterricht gilt es zu nutzen. Als zentral gilt inzwischen für Lehrer die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich selbst und das eigene Tun regelmäßig selbstkritisch zu reflektieren. Herrschte früher noch die Vorstellung vor, jemand würde nach einigen Berufsjahren sein Metier „beherrschen“, hat sich inzwischen (über alle Berufsfelder und Berufe hinweg) die Erkenntnis der Notwendigkeit lebenslangen Lernens durchgesetzt. Die kritische Selbstreflexion, die bei erfahrenen Lehrern schon im Unterricht selbst einsetzt und heutzutage flankiert wird von diversen Vorgaben hinsichtlich des regelmäßigen Einholens von Schülerfeedback oder von Feedback aus dem Kollegenkreis, bildet stets den Ausgangspunkt. Sie wird bereits im Studium grundlegend eingeführt, im Referendariat weiter vertieft und im Rahmen der Lehrproben üblicherweise auch für die Bewertung mit herangezogen. Im Lehreralltag sollte sie im eigenen Interesse die Regel sein, speist sich aus ihr doch ein Großteil der Unterrichtsqualität und darüber auch der Zufriedenheit mit dem Lehrerberuf.

Die Fähigkeit, kurz nach dem Ende des Unterrichts bereits systematisch, selbstkritisch und konstruktiv auf diesen zurückzublicken, ergibt sich jedoch nicht von selbst. Sie kann als Königsdisziplin angesehen werden, besteht doch später im Alltag in der Schule die Herausforderung darin, auf dem kurzen Weg zurück ins Lehrerzimmer gedanklich die entscheidenden Aspekte zu fassen zu bekommen, die den gerade abgehaltenen Unterricht zum Erfolg führten oder eben nicht gelingen ließen. Dass die Person, die den Unterricht selbst geplant und durchgeführt hat, nur in einem gewissen Rahmen Qualitätsaussagen über diesen Unterricht treffen kann, noch dazu direkt nach dem Ende der Stunde, ist offensichtlich. Wie sollte man nun vorgehen, welchen Punkten sollte man besondere Beachtung schenken, wie selbstkritisch im Sinne einer „selektiven Authentizität“ sollte man sein?

Nachfolgend ein paar Anhaltpunkte, ohne dass eine Reihenfolge impliziert wäre. Die Ausführungen zum eigenen Unterricht sollten

  • konkret,
  • strukturiert,
  • relevant,
  • prägnant,
  • ehrlich und selbstkritisch,
  • aspektreich,
  • begründet,
  • mehrperspektivisch,
  • lösungsorientiert,
  • ggf. theoriebezogen und
  • sprachlich klar

sein bzw. vorgetragen werden.

Das ist anspruchsvoll, immer wieder. Aber zum Wohle unserer Schüler nicht zu ändern.

G. Wenge

Buchhinweis:
Reichelt/Wenge
Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben
Ein Leitfaden für Studium, Referendariat und Lehrerpraxis
1. Auflage 2017
Verlag Europa-Lehrmittel
ISBN 978-3-8085-2144-1

Wie man eine gute Lehrprobe hinbekommt

Okay, so einfach ist das natürlich nicht, das wissen wir ja alle, da muss schon vieles, wenn nicht alles passen.

Die Erwartungen der verschiedenen Ausbilder sind gleichermaßen komplex … wie transparent. Hoffentlich zumindest. Erwartet wird, dass der oder die Refi zum Ende der Ausbildung nachweisen kann, die vielfältigen Anforderungen, die an den Lehrerberuf in Unterrichtssituationen geknüpft sind, erfüllen zu können. Transparenz herrscht dahingehend, dass der Prüfling aufgrund der Arbeit in den Seminaren und aufgrund der vorherigen Hospitationsstunden weiß, worauf geachtet werden wird, zumal er in der Regel mehrere der Prüfungsausschussmitglieder aus seiner Ausbildung bereits kennt.

Die Kriterien für die Bewertung unterscheiden sich von Fach zu Fach, von Lehramt zu Lehramt und von Bundesland zu Bundesland. Unterschieden werden üblicherweise die drei Bereiche Planung, Durchführung und Reflexion des Unterrichts. Gemäß den relevanten Prüfungsordnungen wird üblicherweise der Durchführung das größte Gewicht beigemessen; die Planung und die Reflexion fließen mit unterschiedlichem Anteil ein, mitunter auch nur indirekt.

Die Qualität der Planung zeigt sich im Unterrichtsentwurf. Hier äußert sich der Referendar (die weibliche Form bitte immer mitdenken) zu den Bedingungen, unter denen der Unterricht stattfindet (Schülergruppe, eigene Person, Organisation und rechtlicher Rahmen), er verortet den Unterrichtsgegenstand im Lehrplan und begründet seine didaktischen Entscheidungen. Zum Teil bestehen Vorgaben hinsichtlich der zu verwendenden Kategorien, oft ist auch die Seitenzahl begrenzt. Der Lehrprobenentwurf macht den Unterricht für die Prüfungskommission vorstellbar, er generiert eine Erwartungshaltung, er wird häufig als „Visitenkarte“ bezeichnet.

Zu den Qualitätsmerkmalen der Durchführung: Es geht darum, die Planung umzusetzen, sich aber ein gewisses Maß an Offenheit zu bewahren, um angemessene Entscheidungen in spezifischen Situationen zu treffen: Aufgaben sind beispielsweise unklar formuliert, die Lerngruppe braucht nicht so lange wie geplant oder länger als geplant, fachliche Ungenauigkeiten führen zu Irritationen oder Unterrichtsstörungen treten auf.

Bezüglich der Reflexionskompetenz wird schließlich beurteilt, inwieweit der oder die Refi sich klar und strukturiert zum Unterricht äußert, ob er die relevanten  Beobachtungen fachsprachlich korrekt benennen und einordnen kann, ob er sinnvolle Alternativen aufzeigen und Nachfragen der Prüfungskommission zufriedenstellend beantworten kann. Ohne dass dies explizit so geregelt wäre, beobachtet man häufig, dass mit einer guten Reflexion die Note einer nicht ganz so guten Lehrprobe quasi „im Nachgang“ noch verbessert werden kann. Hintergrund ist die berufliche Realität von Lehrern: Wichtiger als die „perfekte Stunde“ ist die stetige Weiterentwicklung – die Kompetenz, den eigenen Unterricht selbstkritisch zu reflektieren und angemessene Schlussfolgerungen zu ziehen.

Und dann braucht man noch ein bisschen Glück.

G. Wenge

PS: Wer es genauer wissen will (und zu dem Thema gibt es ja noch einiges zu sagen), mag in seiner Lehrerbibliothek hier nachschauen:

Reichelt/Wenge:
Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben
Ein Leitfaden für Studium, Referendariat und Lehrerpraxis
1. Auflage 2017
Verlag Europa-Lehrmittel
ISBN 978-3-8085-2144-1

 

 

Zur Notenfindung nach der Lehrprobe 

Es klingelt zur Pause. Geschafft – die Lehrprobe ist vorbei. Jetzt geht’s in das Büro der Schulleitung, dort wird gesprochen, verhandelt und schließlich eine Note gefunden. Dieser Nachgang zur Lehrprobe ist für die Referendarin oder den Referendar eine Blackbox, denn die Notenfindung ist nicht öffentlich. Was passiert hinter der geschlossenen Tür?
Doch von Anfang an: Unmittelbar nach dem Unterricht erhält der Referendar in der Regel ca. zehn Minuten Zeit für eine eigene, „interne“ Selbstreflexion: Welche Teile der Planung ließen sich gut umsetzen? An welchen Stellen gab es Probleme? Worin kann dies begründet liegen? Welche alternativen Vorgehensweisen sind denkbar? Für den Referendar geht es in dieser kurzen Zeit direkt nach dem Unterricht darum, mögliche Fragen der Prüfungskommission zu antizipieren und plausible Antworten darauf zu finden. Dies ist eine große Herausforderung, da zum einen die vermuteten Fragen selten genau mit den späteren, tatsächlichen Fragen der Kommissionsmitglieder übereinstimmen und die Antworten oder auch Lösungen, die der Referendar sich überlegt, nicht mit den Antworten und Lösungen der Kommissionsmitglieder übereinstimmen müssen.

Wie also sollte man vorgehen? Trotz dieser komplexen Anforderung besitzt man als Referendar eine Reihe von Anhaltspunkten:

Dem Referendar ist bekannt, nach welchen Qualitätskriterien die Lehrprobe bewertet wird. Zu den dort formulierten Kategorien (als Beispiele seien hier genannt: fachliche Richtigkeit, Aufgabenformate, Klassenmanagement und -klima, Strukturierung und Phasierung, Unterstützung der Schüler, individuelle Förderung, Lernerfolgssicherung) sollte er sich Gedanken machen, denn zu diesen Kategorien werden Fragen kommen.

Dem Referendar ist bekannt, worauf Hauptseminarleitung (pädagogische Leitung) und Fachseminarleitung (Fachleitung) in den Seminaren und in den Hospitationen besonderen Wert gelegt haben.

Der Referendar hat zum Ende seiner Ausbildung in aller Regel ein gutes Gespür und einen genauen Blick für gut gelingenden und auch für weniger gut gelingenden Unterricht entwickelt.

Nach dem Eintreten in den Besprechungsraum wird der Referendar (oder die Referendarin, bitte die weibliche Form immer mitdenken) üblicherweise gebeten, zunächst seine eigenen Eindrücke zu schildern, seine Selbstreflexion also zumindest zum Teil öffentlich zu machen, und erst danach Fragen der Prüfungskommission zu beantworten. Inwieweit der Referendar frei spricht oder aber selbst formulierte Leitfragen zur Strukturierung nutzt, ist typabhängig; eine generelle Empfehlung zu einer der beiden Vorgehensweisen ist nicht möglich. Wichtig für die Prüfungskommission wird sein, dass der Referendar Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kann, dass er die Kernpunkte erkennt und, sollte es Probleme gegeben haben, alternative Vorgehensweisen laut andenken kann. Nur dann wird es ihm möglich sein, über die Reflexion noch Einfluss auf die Bewertung der Lehrprobe zu nehmen.

Nach der Beantwortung der Fragen verlässt der Referendar den Raum. Die Prüfungskommission berät nun über die Qualität der Planung, Durchführung und Reflexion des Unterrichts und entscheidet über die Note. Über den genauen Ablauf dieser Beratungen können über alle Bundesländer, Lehrämter und Prüfungskommissionen keine allgemeinen Aussagen getroffen werden. Bewährt hat sich in einigen Bundesländern zunächst ein Austausch über die Qualitätsmerkmale des Unterrichts und erst in einer zweiten Runde der Vorschlag einer Note. Ob innerhalb der Kommission Einvernehmen über die Note bestehen muss, ist von der Prüfungsordnung abhängig.

Nimmt das ein wenig Unsicherheit? Vielleicht. Hoffentlich.

G. Wenge
Buchhinweis:

Dr. Heiko Reichelt/Gerald Wenge:

Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben

1. Auflage 2017, Verlag Europa-Lehrmittel, ISBN 978-3-8085-2144-1

Reflexionskompetenz – was ist das?

Die Reflexionskompetenz sollte zum Ende des Referendariats wesentlich ausgeprägter sein als zu Beginn. Das verlangen die Ausbilderinnen und Ausbilder, das verlangen die Lehramtsstudierenden und späteren Referendare von sich selbst. Das ist im Lehrerberuf ausgesprochen wichtig. Die Rückmeldungen aus der Seminargruppe, von den Mentorinnen und Mentoren und von den Seminarleitungen unterstützen – hoffentlich – diese Entwicklung.

Die folgende Übersicht zeigt Entwicklungslinien einer gelungenen Unterrichtsreflexion über den Verlauf der gesamten Ausbildung.

  • Soll-Ist-Vergleich
    Die Unterrichtsreflexion vollzieht sich in einer Gegenüberstellung von Zielen, Planung, Durchführung und Ergebnis des eigenen Unterrichts. Abweichungen des „Ist“ vom „Soll“ sollen im Laufe des Referendariats zunehmend erkannt und benannt werden, ebenso wie mögliche Abweichungsursachen.
  • Beschreiben -> Bewerten -> Alternativen
    Auffälligkeiten des eigenen Unterrichts sollen zunächst wertfrei beschrieben und erst anschließend bewertet/ interpretiert werden. Schließlich sollten auch erste Alternativen benannt werden können.
  • Selbstbild – Fremdbild
    Das Selbstbild des Unterrichtenden vom eigenen Unterricht soll mit dem Fremdbild der Beobachter abgeglichen werden. Zunehmend sollte eine Angleichung von Selbst- und Fremdbild stattfinden.
  • Vom Subjektiven zum Objektiven
    Der Unterrichtende sollte zunächst subjektive Auffälligkeiten seines Unterrichts wahrnehmen und benennen, dann zunehmend objektive und theoretisch unterlegte.
  • Eine Sache – mehrere Perspektiven
    Der Unterrichtende sollte seinen Unterricht zunehmend aus mehreren Perspektiven betrachten, z. B. aus Sicht der Schüler, der Berufspraxis, der schulischen Anforderungen oder der Prüfungsanforderungen.
  • Von der vorstrukturierten zur individuellen Unterrichtsreflexion
    Anfänglich ist es hilfreich, sich bei der Unterrichtsreflexion an festen, vorformulierten Leit- bzw. Reflexionsfragen zu orientieren. Zunehmend sollte die Unterrichtsreflexion individualisiert sein, d. h. sich an den Fragen und Schwerpunkten orientieren, die dem Unterrichtenden besonders wichtig sind.

Schwierig, kompliziert, langwierig – unter anderem deswegen dauert die Ausbildung aber auch so lange. Es ist eben viel mehr als bloßes Handwerk.

G. Wenge

Buchhinweis:
Dr. Heiko Reichelt/Gerald Wenge
Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben
Ein Leitfaden für Studium, Referendariat und Lehrerpraxis
1. Auflage 2017
Verlag Europa-Lehrmittel
ISBN 978-3-8085-2144-1

 

Vor der Lehrprobe …

Ja, es stimmt: Lehrprobenzeit ist immer. Auch in den Ferien, denn Wochen, wenn nicht Monate vor dem entsprechenden Termin fängt man schon an zu denken und zu planen und zu verwerfen und neu zu planen. Aber wann was? Und wie konkret?

Die folgende Tabelle gibt eine grobe Orientierung darüber, wie sich eine Lehrprobe langfristig so planen lässt, dass negativer Stress … wenn nicht ausbleibt, dann doch minimiert werden kann. Die Übersicht zeigt, was zu dem jeweiligen Zeitpunkt vom Referendar oder der Referendarin getan werden sollte:

Zeitpunkt Tätigkeiten bei der Planung einer Lehrprobe
Drei Monate vorher
  • Vorüberlegungen anstellen, die ohne Konsequenzen wieder verworfen werden können
  • sich im Stundenplan orientieren
  • eine Klasse auswählen
  • einen Klassenraum reservieren
  • mögliche Unterrichtsgegenstände mit dem Mentor besprechen
Einen Monat vorher
  • Lerngruppe (ggf.) kennenlernen
  • didaktische Planung der Stunde bzw. der Sequenz anlegen
  • sich mit dem Mentor und/ oder Mitreferendaren über die didaktische Planung beraten
  • geeignete Methoden und zu nutzende Medien gegeneinander abwägen
  • mit der Anfertigung des Unterrichtsentwurfs beginnen
Eine Woche vorher
  • den Unterrichtsentwurf fertigstellen und abgeben
  • die räumlichen Gegebenheiten überprüfen
  • den Kontakt zur Lerngruppe intensivieren
Einen Tag vorher
  • den Raum vorbereiten (Sitzordnung, Smartboard, Plakate, Flipcharts und weitere Medien)
  • die Medien auf Funktion prüfen
  • einen eigenen Ablaufplan als „Stütze“ erstellen (beispielsweise in Form eines Spickzettels, z. B. auf Moderationskarten)
Eine Stunde vorher
  • elektronische Medien einschalten
  • alle Unterlagen so anordnen, dass auch unter Anspannung nichts vergessen werden kann

Deckt sich das mit Ihren, mit euren Erfahrungen?

Abgesehen von den unterrichtsbezogenen Planungen existiert ein weiteres Feld, das bei Referendaren, die kurz vor der Lehrprobe stehen, die Anspannung erhöht: Wie sollte man sich kleiden? Es gibt sicherlich von Schulform zu Schulform und von Schule zu Schule teilweise erhebliche Unterschiede, bewährt hat sich dennoch generell die Maxime smart but casual. Niemand aus der Prüfungskommission erwartet am Hals des Referendars eine Krawatte, niemand am Fuß der Referendarin Schuhe, auf denen sie nicht laufen kann. Es empfiehlt sich also nicht, sich zu verkleiden. Umgekehrt sollte man angenehme Kleidung tragen, die gepflegt aussieht und in der man sich wohl fühlt.

Eigentlich selbstverständlich – wenn da nicht die ganze Anspannung wäre.

G. Wenge

Buchhinweis
Reichelt/Wenge: Unterrichtsbesuche, Hospitationen und Lehrproben
Ein Leitfaden für Studium, Referendariat und Lehrerpraxis
1. Auflage 2017
Verlag Europa-Lehrmittel
ISBN 978-3-8085-2144-1